Ayahuasca Erfahrungsbericht, März 2026

Zwei Nächte mit meinem kolumbianischen Yagé-Schamanen und seinem Team.

Nacht 1:

Das Yagé schmeckte diesmal fürchterlich, eines der widerlichsten Gebräue, die ich je getrunken habe. Auch die Konsistenz war einfach nur ekelig – breiig, zäh, kaum herunter zu bekommen. Dazu der bitter-saure Geschmack mit einem Hauch von Süßholz. Wenn ich nur dran denke, wird mir flau im Magen.

Es dauerte auch nicht lange und ich beförderte es wieder hinaus. Dennoch hatte ich zumindest einen energetischen Prozess, Visionen hingegen so gut wie keine. Ich war mir sicher, das war’s und ließ mir dann nach 1 Stunde noch einen ½ Becher geben. Der blieb noch kürzer drin, als der erste, es schmeckte einfach zu ekelig. Obwohl ich beide Becherchen schnell wieder rausbefördert hatte, setzte eine deutliche Wirkung ein, die ich aber zunächst nicht wahrnahm. Abgesehen von der hohen Vibration wähnte ich mich nüchtern, denn erneut hatte ich keine Visionen und auch war ich voll bewegungsfähig, von leicht unsicherem Gang abgesehen.

Ich war unbemerkt in einen tiefen Prozess geraten, den ich als solchen nicht erkannt hatte. Er äußerte sich in Verwirrtheit und Demenz, also komplettem Aussetzen meines Kurzzeitgedächtnisses. Ich ging zweimal in der Nacht zur Toilette, was keine Schwierigkeiten bereitete, auch wenn die Kloschüssel meterweit entfernt schien, weil ich auch kein Gefühl mehr für Entfernungen hatte, aber das kannte ich schon von anderen Zeremonien. Verursacher ist das Harmin der Liane, denn denselben Effekt kann man auch mit Syrischen Steppenraute haben. Nicht angenehm, aber handelbar.

Unangenehm war hingegen beide Male die Rückkehr zu meinem Platz. Ich erinnere mich, wie ich den Raum betrat und nicht mehr wusste, wo ich lag. Ich stellte mir tatsächlich die Frage, wo ich bin und wer all diese Menschen sind, derweil ich hilflos im Raum stand und schaute, ob mir was vertraut vorkommt. Das Team hatte das sofort bemerkt und half mir auf meinen Platz.

Dort angekommen versuchte ich das Chaos zu ordnen, Poncho, Schlafsack , Kopfkissen, Hemd … alles schien miteinander verknäult zu sein. Ich griff nach etwas, was ich als meinen Schlafsack wähnte und zog daran, aber es war der Schlafsack meines Platznachbarn. Ich erkannte meinen Irrtum, so verwirrt war ich immerhin noch nicht, und wollte mich entschuldigen, aber ich konnte nicht sprechen. Ich konnte keine Wörter mehr artikulieren, weil ich vergessen hatte, wie sie man sie artikuliert. Ich stammelte also irgendetwas vor mich hin, wie jemand der im Schlaf spricht. Da der Nachbar zum Team gehörte, nahm er es entspannt und half mir bei meinem Chaos.

Dann fiel ich in tiefe Trance und hatte echte Halluzinationen. Also keine bunten Bilder, wenn man die Augen schließt, sondern echte Hallus. Ich sah zum Beispiel meine Katze am Fußende sitzen und mich anschauen. Ich hatte zwar geschnallt, dass das nicht sein kann, weil sie in Berlin in meiner Wohnung ist, aber es sah so real aus, dass ich mich nach vorne beugte, um sie zu streicheln. Sie entpuppte sich als Muster auf meinem Poncho, den ich als Decke benutzte. Eine andere Hallu war wieder der Frosch, der vor dem Altar herum hüpfte. Den hatte ich schon mal als Hallu. Am Morgen sah ich, dass es ein Blatt von der Characa des Schamanen war.

Zwischendurch nickte ich ein und es waren wieder diese Träume, wie ich sie auch bei meinen drei Pilzzeremonien erlebt habe. So real, dass der Übergang von Wachrealität zu Traumrealität fließend war. Als ich aufwachte, aus der anderen Welt, war ich noch orientierungsloser, als zuvor. Wo war ich und wer waren all diese Menschen? Wieder kam einer vom Team und fragte, ob alles ok sei? Wieder versuchte ich zu antworten, aber es kam nur Gestammel heraus.

Irgendwann musste ich erneut zur Toilette. Ich konnte mich sicher und ohne Hilfe bewegen und war mir voll bewusst, wo ich bin und wer ich bin, aber auf dem Klo verfiel ich in tiefe Trance. Ich genoss diesen Zustand. Zwar begegnete ich nicht meinem Seelenlicht, aber ich betrat einen friedlichen, heiligen Raum. Keine dunklen Entitäten, reines Licht und Frieden. Es gab nichts mehr dort, nicht einmal Zeit. Ich genoss es, bis einer vom Team reinschaute, ob alles in Ordnung sei.

Das riss mich aus der Trance, was aber ok war. Safty first. Ich nickte mit dem Kopf und ging dann wieder zurück und wieder fand ich meinen Platz nicht. Diesmal war ich auf der anderen Toilette und der Raum war quasi spiegelverkehrt, weil ich diesmal von der anderen Seite kam. Das überforderte mich. Ich hab’s nicht geschnallt und ewig auf der falschen Seite nach meinem Platz gesucht. Ich wusste, 2. Platz von rechts, also wollte ich mich auf den 2. Platz von rechts legen, was wieder nicht meiner war. Wieder war es einer vom Team und wieder konnte ich mich nicht erklären, weil ich die Worte nicht fand. Sie brachte mich zu meinem Platz und ich konnte mich wieder der Trance hingeben, die sehr schnell einsetzte.

Bis zum Morgen blieb ich auf meinem Platz. Ich traute mich nicht mehr aufzustehen, weil dieser voll demente Zustand wirklich fies ist, ich hatte das noch nie erlebt, in keiner meiner über 90 Zeremonien. Der letzte Trancezustand war der längste und schönste, ich genoss ihn, auch wenn ich abermals nicht meinem Seelenlicht begegnet bin – der einzige Grund warum ich überhaupt noch Ayahuasca nehme.

Andere erreichen das durch Meditation, oder Yoga, ich nicht. Ich kann nicht meditieren, es gelingt mir einfach nicht und so hab ich es irgendwann aufgegeben. Früher konnte ich meditieren, aber irgendwann nicht mehr. Ohne Ayahuasca verliere ich die Verbindung zu meiner Seele und meinen geistigen Begleitern und ich hoffte, dass die 2. Nacht dann diese mir sehr wichtige Verbindung herstellen wird. Mensch sein ist etwas sehr Schönes, aber in Wirklichkeit sind wir Spirits, die eine menschliche Erfahrung machen. Und ab und zu muss ich die Verbindung zur Quelle, zur Seele, herstellen und das kann ich am besten mit Psychedelika.

Der Morgen danach:

Ich hab nur wenig geschlafen, aber dafür tief und fest. Die Träume waren bildreich und friedlich, keine Angstträume, oder unangenehme Begegnungen. Ich hatte mein Diktiergerät dabei und sprach alles, was ich erinnerte, auf das Gerät. Beim gemeinsamen Frühstück erfuhr ich dann wie mein Zustand auf andere gewirkt hat, weit weniger dramatisch, als ich es selbst erlebt habe. Aber der Zustand von Demenz ist schrecklich, ich wünsche das niemandem. Du erlebst nur den Moment bewusst. Bereits das, was du eine Minute vorher erlebt oder gesagt hast, weißt du nicht mehr. Mir tun Demente seit Samstag unfassbar leid!

War das die Lehre der 1. Nacht?

Ich glaube schon, denn wie schnell benutzt man die Begriffe Demenz oder Alzheimer unreflektiert und leichtsinnig, dabei sind es wirklich schwere Krankheiten!

Du verlierst nicht nur dein Gedächtnis, du verlierst dein Leben. Du atmest zwar noch, aber du lebst nicht mehr, weil du das Erlebte sofort wieder vergisst. Wir erleben unser Leben ausschließlich über unsere Erinnerungen an das Erlebte. Keine Erinnerungen, kein Leben.

Bei Gesprächen mit anderen Teilnehmern erfuhr ich, dass es mindestens einem anderen Teilnehmer genauso ging, wie mir. Wir kannten uns schon von anderen Zeremonien, auch er ein sehr erfahrener Teilnehmer. Wir erlebten beide das gleiche, er in seinem Erfahrungskontext, ich in meinem, und wir beide waren uns einig, dass wir das niemandem auf der Welt wünschen. Vielleicht war bei uns beiden Demenz ein Thema, zum Beispiel im Familien- oder Freundeskreis und die Medizin zeigte uns, wie es sich anfühlt?

Nacht 2:

Erneut blieb das Yagé nicht lange drin, erneut war es einfach nur ekelig. Ich beließ es dabei, nahm mir vor, nicht nachzutrinken, aus Angst wieder in die Demenz zu verfallen. Trotz der geringen Menge, denn das meiste dürfte ich in den Eimer befördert haben, hatte ich zwar kurze, aber intensive Visionen. Das ermutigte mich, doch noch ein bisschen nachzutrinken und diesmal war der Zustand ein völlig anderer. Wirklich schöne Visionen, viel Gold, keine Orientierungslosigkeit, die übliche Trance auf dem Klo 😄, aber ohne Demenz-Drama und die Musik konnte ich auch begleiten (mit meinen Maracas). Leider bin ich auch in der 2. Nacht nicht meinem Seelenlicht begegnet, aber dazu hätte ich mehr trinken müssen, weil es mehr DMT gebraucht hätte. Aber diesen ekeligen Brei wollte ich mir auf keinen Fall erneut antun.

Es war ok so und es war ja trotzdem erfüllt und schön. Ich hatte auch wieder eine Halluzination mit meiner Katze. Wieder saß sie am Fußende, aber diesmal konnte ich sie streicheln. Ich spürte ihr weiches Fell und die Wärme ihres kleinen Katzenkörpers, bis sie sich dann von einer Sekunde auf die andere in Luft auflöste. War ich astral oder war sie es, oder alle beide? Keine Ahnung, denn nach ihrem „Verschwinden“ fühlte sich alles normal an, also kein „Erwachen“ aus einer anderen Dimension, wie wenn man aus einem Traum aufwacht.

Die Nacht endete mit einem starken Rapé vom Schamanen und einem tiefen Schlaf von immerhin einigen Stunden.

Fazit:

Trotz der bedrückenden Erfahrungen der 1. Nacht bin ich dankbar für alles. Ich weiß jetzt, dass man mit den Begriffen Demenz und Alzheimer nicht sorglos umgehen darf, denn es bedeutet höchstes Leid für die Betroffenen. Interessant ist, dass ausgerechnet Ayahuasca diesen Zustand herbeiführte, denn die Wissenschaft hat herausgefunden, dass das Harmin im Ayahuasca vor Demenz und Alzheimer schützt.

Am Ende entscheidet der Spirit der Pflanze, welche Erfahrungen sie für dich bereit hält und man nimmt Ayahuasca ja nicht zum Spaß. Es ist harte Arbeit. Leiden, um aus dem Leid zu lernen, keine andere Medizin schafft das. Ayahuasca nimmt dich an der Hand und führt dich in Regionen deines Unterbewusstseins, die du weder kennst, noch erahnst. Und es ist gut möglich, dass ich, aus welchem Grund auch immer, lernen sollte, wie sich Demenz anfühlt.

Für die Zukunft hoffe ich, nie wieder ein so ekeliges Yagé oder Ayahuasca trinken zu müssen. Alles andere ginge in Ordnung.

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